Vielen fehlt eine existenzielle Absicherung

(verpd) Auf Grundlage einer umfangreichen Befragung wurde ermittelt, wie die Bürger hierzulande versichert sind. Es zeigte sich, dass viele gegen existenzielle Risiken nicht abgesichert sind. So verfügen zum Beispiel weniger als drei Viertel aller Singlehaushalte über eine Privathaftpflicht-Police. Doch jeder, der einen anderen schädigt, zum Beispiel als Fußgänger oder Fahrradfahrer, muss für den entstandenen Schaden aufkommen, auch wenn das seinen finanziellen Ruin bedeutet. Eine Privathaftpflicht-Police würde dagegen solche Schäden übernehmen.

Alle fünf Jahre erstellen das Statistische Bundesamt (Destatis) und die Statistischen Landesämter eine Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS). Dazu werden jeweils rund 60.000 Bürger in Deutschland über ihre Einkommens-, Vermögens- und Schuldensituationen sowie Konsumausgaben befragt.

In einer Sonderauswertung der Daten hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) ermittelt, inwieweit die Haushalte hierzulande unter anderem gegen existenzielle Gefahren mithilfe von Versicherungspolicen abgesichert sind.

Jeder haftet mit seinem Einkommen und Vermögen

Eine der wichtigsten Versicherungspolicen ist die die Privathaftpflicht-Versicherung. Wer nämlich einen anderen auch nur versehentlich schädigt und einen Sach- oder gar Personenschaden verursacht, haftet laut Gesetz für den angerichteten Schaden mit seinem jetzigen, aber auch künftigen Vermögen in unbegrenzter Höhe. Im Schadenfall, zum Beispiel, wenn man als Fußgänger oder Radfahrer einen Unfall verursacht und dabei einen anderen schwer verletzt, können die Schadensforderungen des Geschädigten den finanziellen Ruin des Unfallverursachers bedeuten.

Eine Privathaftpflicht-Police übernimmt in diesem Fall die Schadensforderungen, die gegen den Versicherten von anderen gestellt werden, wehrt aber auch überhöhte oder ungerechte Forderungen ab. In einem Privathaftpflicht-Versicherungsvertrag sind bei Ehepaaren in der Regel beide Eheleute mitversichert. Minderjährige Kinder und je nach Vertragsvereinbarung auch volljährige Kinder – beispielsweise, wenn sie noch in der Berufsausbildung sind und ein bestimmtes Alter noch nicht überschritten haben – sind kostenlos in der Police der Eltern mitversichert.

Wie die Befragung zum EVS ergab, haben jedoch nur knapp 83 Prozent der Haushalte eine solche Police, das heißt, über 17 Prozent gehen ein unnötiges existenzielles Risiko ein. Bei Singlehaushalten haben fast 27 Prozent und bei Alleinerziehenden 22 Prozent keinen entsprechenden Haftpflichtschutz.

Existenzielle Absicherung im Falle einer Erwerbsminderung

Eine weitere existenzielle Absicherung bietet die Erwerbs- und/oder Berufsunfähigkeits-Versicherung. Drastische Einkommenseinbußen drohen nämlich, wenn man aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalles dauerhaft keiner oder nur noch teilweise einer Erwerbstätigkeit nachgehen kann. Selbstständige, aber auch Arbeitnehmer, die die versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen wie mindestens fünf Jahre gesetzlich rentenversichert zu sein, nicht erfüllen, haben zum Beispiel keinen Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente.

Doch selbst, wenn einem eine solche Rente zusteht, reicht sie oft nicht, um damit nur annähernd den bisherigen Lebensstandard zu halten. Denn die Höhe der Erwerbsminderungsrente berechnet sich aus der Altersrente, die ein Betroffener hätte, wenn er im gleichen Umfang wie bisher weiterarbeiten könnte – und die beträgt aktuell bereits weniger als die Hälfte des bisherigen Einkommens. Zudem werden davon noch abhängig vom Alter, ab wann man erwerbsgemindert wird, Abschläge abgezogen.

Mit einer privaten Berufs- und/oder Erwerbsunfähigkeits-Versicherung kann der Einzelne auch für diese Fälle für ein ausreichendes Einkommen vorsorgen. Aktuell hat jedoch nur jeder vierte Haushalt eine entsprechende Police. Am besten abgesichert sind Familien mit Kindern, hier besteht in 54 Prozent dieser Haushalte ein entsprechender Versicherungsschutz. Am wenigsten abgesichert sind dagegen Alleinlebende, nicht einmal 15 Prozent verfügen über eine solche Risikoabsicherung. Auch bei den Alleinerziehenden und Paaren ohne Kinder haben jeweils nur 22 Prozent eine solche Police.

Der Versicherungsumfang ist entscheidend

Prinzipiell belegen die Daten der EVS allerdings nur, welche Versicherungsart in einem Haushalt vorhanden ist oder nicht. Sie zeigen jedoch nicht, inwieweit der Versicherungsumfang einer bestehenden Versicherungspolice auch tatsächlich dem individuellen Bedarf des Versicherten entspricht.

Grundsätzlich ist es jedoch wichtig, dass man nicht nur darauf achtet, dass die existenziellen Risiken abgesichert sind, sondern auch, dass der Versicherungsschutz – vom versicherten Risiko bis hin zur vereinbarten Versicherungssumme – tatsächlich ausreichend ist. Denn ist beispielsweise die vereinbarte Deckungssumme in einer Privathaftpflicht-Police nicht ausreichend, um im Schadenfall den vom Versicherten angerichteten Schaden abzudecken, muss der Versicherte die restlichen Schadenskosten aus der eigenen Tasche zahlen.

Ein Versicherungsfachmann hilft auf Wunsch bei der Analyse des notwendigen und individuell passenden Versicherungsschutzes. Er kann dabei unter Berücksichtigung der bereits bestehenden gesetzlichen und/oder privaten Absicherungen ermitteln, inwieweit noch eine Versicherungslücke besteht und entsprechende bedarfsgerechte Lösungen vorschlagen. Da es finanziell und bei den Lebensumständen immer wieder Veränderungen gibt, die zu Absicherungslücken führen können, empfiehlt sich eine Versicherungsanalyse in regelmäßigen Abständen und bei konkreten Änderungen.

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